Schloss Seisenegg

Eine Burg wird hier 1248 erstmals urkundlich genannt, doch könnte sie durchaus bereits im 12. Jh. errichtet worden sein. Sie schützte und kontrollierte die wichtige Umfahrungsstraße des gefährlichen Donauabschnittes zwischen Ardagger und St. Nikola. Vor 1305 befand sie sich im Besitz der Familien Summerauer und Payn, die sich auch Paiger nannte. Danach wurde sie an Heinrich von Wallsee verkauft. Dieser setzte Gefolgsleute, die mit den Wallseern aus Schwaben gekommen waren, als Burggrafen ein. Sie nannten sich bald "Herren von Seisenegg". Als sie Kaiser Friedrich III unterstützten wurden sie dafür mit dem Freiherrenstand belohnt. 1413 kam zur Herrschaft das Landgericht hinzu. Die Wallseer starben 1483 aus. Durch Heirat mit der Erbtochter kamen die Grafen von Schaunberg in den Besitz der Burg. Sie hatte jedoch für sie keine große Bedeutung, so daß sie sie schon 1499 ihrem Pfleger Andreas Krobat von Lappitz verkauften. 1588 heiratete Christoph von Schallenberg in die Familie ein, doch wurde Seisenegg drei Jahre später an Dr. Johann Linsmayer verkauft. Er wurde 1608 zum Freiherrn von Greiffenberg erhoben. Seisenegg war damals ein Zentrum evangelischer Adelskultur im Mostviertel. Catharina Regina von Greiffenberg, Freiin zu Seisenegg (1633 - 1694) war eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der Barockzeit.

Schloss und Herrschaft Seisenegg sowie das damit verbundene steirische Kupferbergwerk Radmer erwarb in einem ersten Kaufvertrag mit den Greiffenbergs 1664 der aus einem alten, katholischen, Tiroler Geschlecht stammende, in Rohrbach bei Haag ansässige und aus Steyr stammende Matthäus Riss Ritter von Risenfels [1606-1668]. Da dieser Vertrag aber nicht ausgeübt wurde, konnte erst sein Sohn Franz [1606-1700] in einem zweiten Kaufvertrag von 1673 und nach Ablauf des Wohnrechts für Catharina Regina von Greiffenberg 1679 Seisenegg auch tatsächlich übernehmen.
Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Johann Baptist [1638-1699] wurde Franz am 12. September 1686 von Kaiser Leopold I. in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Während die jüngere Linie zu Engelsegg (in Steyr) und Gassenegg (in St. Peter/Au) im 18. Jahrhundert verlosch, verblieb Seisenegg bis auf unsere Tage bei den Nachkommen des Franz Reichsfreiherren von Risenfels.

Mit Philipp (* 1860) starb die Familie Risenfels 1932 im Mannesstamm aus. Eine seiner 4 Töchter war mit dem Schwiegersohn Kaiser Franz Josephs I., Erzherzog Franz Salvator von Österreich verheiratet.

An zwei mit Kugeln bekrönten Steinobelisken und zwei Rundtürmen der Umfassungsmauer vorbei gelangt man in den romantischen Schlosshof mit der gotischen zweigeschossigen Marien- und Katharinenkapelle, in der sich qualitätvolle Fresken aus dem Jahr 1358 erhalten haben. Bemerkenswert ist auch der weithin sichtbare romanische Bergfried mit seinem zweifach gegliederten Zeltturm. In der Durchfahrt zum Schlosshof und im Hof selbst erinnern Jagdnetze, eine doppelreihige Galgenleiter und eine Zehentwaage an die jahrhundertelange Grundherrschaft und an das seinerzeitige Landgericht Seisenegg.

Mit der Wirtschaftskrise in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts verkam die Anlage langsam und verfiel in einen Dornröschenschlaf. Seit 90er-Jahren wurde das Schloss einer grundlegenden Renovierung unterworfen. Heute steht es der Bevölkerung des Mostviertels als attraktiver Kulturschauplatz und romantischer Ort für Hochzeiten und standesamtliche Trauungen zur Verfügung.

Text und Fotos © Kontor-Team Schloss Seisenegg - www.seisenegg.at