Das Gebiet östlich der Ennsmündung ist alter Kulturboden. Die ältesten archäologischen Funde stammen aus der Jungsteinzeit. Entlang der Flüsse verliefen Handelswege. Von dort stammen Grabbeigaben aus der Bronzezeit. Die Spuren der Menschen aus der Hallstattzeit wurden von den Römern überdeckt, die im Ort St. Valentin wenig hinterlassen haben. Es ist anzunehmen, dass das Christentum von Lauriacum aus (Enns-Lorch, früher Bischofssitz) in das Land östlich der Enns verbreitet wurde. Darauf geht die früher sehr große Ausdehnung der Pfarre St. Valentin zurück. Im frühen Mittelalter war die Gegend von Bayern und Slawen besiedelt, die Grenzlage brachte durch Jahrhunderte Truppen und Kriege ins Land an der Ennsmündung. Der gefälschte und daher nicht genau datierbare Stiftbrief für das Benediktiner-Nonnenkloster Erla enthält die älteste Nennung St. Valentins als Pfarre (genannte Zeugen der Urkunde aus der Zeit um 1050, tatsächliche Klostergründung um 1130). Die größten Grundherrschaften waren Kloster Erla und die landesfürstliche Herrschaft Burg Enns, die das Patronat über die romanische Kirche in Rems innehatte. Von den Rittern der Burg Altenhofen erlangte Wolfker von Erla europäische Geltung. Die dortige Burg war ebenfalls im Besitz des Geschlechtes. Er war Bischof von Passau, Kreuzzugteilnehmer, Diplomat u. später Patriarch von Aquileia. 1485 befestigten die Ungarn die Ennsgrenze, 1529 und 1532 drangen die Türken bis an den Fluss vor. Die Zeit der gotischen Kirchenbauten war damit zu Ende, der wirtschaftliche Niedergang mündete in die Zeit der Reformation, in der das Kloster Erla als geistliches Zentrum zugrunde ging. Die Bauern kämpften (1596/97) im "Haager Bund" erstmals gegen ihre Grundherren. Erla kam im Zuge der Gegenreformation 1583 an das Wiener Königinkloster der Clarissen, bestand als Grundherrschaft weiter und wurde 1782 von Josef 11. aufgehoben, verstaatlicht und 1832 an Heinrich von Pereira-Arnstein verkauft. Bis 1936 blieb das Pfarrpatronat über St. Valentin bei dieser Herrschaft. Der Dreißigjährige Krieg traf St. Valentin ebenso wie die Versuche der Bauern, sich gegen das Jagdprivileg der Adeligen zur Wehr zu setzen. Harte Urteile waren die Folge eines großen Aufstandes von 1716. Im Österreichischen Erbfolgekrieg und dreimal in der Zeit Napoleons kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Pfarrer erlitt Verletzungen, die Kirche wurde geplündert (1805). Mit dem Eisenbahnbau brach über den Ort eine Zeit gewaltiger Veränderungen herein, aber auch Freude über die Eröffnungsfahrt auf der Westbahnstrecke, als 1858 die erste Dampflok nach neunstündiger Fahrt aus Wien eintraf. 1872 war die Nord-Süd-Verbindung von Böhmen an die Adria vollendet, und St. Valentin war Eisenbahnknotenpunkt mit großem Bevölkerungszuwachs. Der Erste Weltkrieg brachte Mangel und Entbehrungen. Eisenbahnersiedlungen entstanden gegen die Wohnungsnot.
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begannen die Planungen für das Rüstungsdreieck Linz-Steyr-St. Valentin u. die Errichtung der Panzerfabrik "Nibelungenwerk" im Herzograder Wald. Tausende wurden zur Arbeit dorthin zwangsverpflichtet. Viele fanden im angrenzenden KZ-Lager den Tod. Großes Leid, Flüchtlingsnot und Versorgungsprobleme, verstärkt durch Beschlagnahmungen für die russischen Besatzungstruppen an der Grenze ihres Kontrollgebietes, brachten den Ort St. Valentin an den Rand des Menschenmöglichen, als die nationalsozialistische Herrschaft an der Ennsgrenze zusammengebrochen war. Der Weg zur Industriegemeinde war beschritten, St. Valentin um einen Stadtteil und eine Pfarre gewachsen. Neue Chancen, aber auch Probleme fordern die Bewohner zu zukunftsorientiertem Handeln heraus. Im Jahre 1983 wurde St. Valentin zur Stadt erhoben.